Als ich heute das Interview von Prof. Martin Schwab über unser aktuelles Rechtssystem und über Meinungsfreiheit hörte, habe ich über den Begriff Freiheit nachdenken müssen. Was bedeutet für mich persönlich dieser Begriff – was ist das Prinzip dahinter … für die Welt und für mich ganz persönlich?
Ich bin zwar der Verursacher meiner Entscheidungen – also eine gewisse Willensfreiheit hätte ich ja im persönlichen Umfeld, aber meine Handlungen werden doch von sogenannten moralischen Zwängen determiniert. So war doch Kant der Auffassung, dass die Freiheit, mag sie auch nicht beweisbar sein, vorausgesetzt werden muss, damit Moral möglich ist.
Tatsächlich habe ich ja immer die Wahl, ich kann – als freies Wesen – zwischen Gut und Böse wählen und dann moralische Verantwortung übernehmen.
Aber ist Freiheit wirklich gleichbedeutend mit Automonie? Ich kann doch gar nicht wirklich autonom sein in dieser Gesellschaft – für mich ist Autonomie ein eher politischer Begriff, Freiheit dagegen ist meine gefühlte innere, geistige und emotionale Freiheit.
Gerade bei Platon finden wir die beiden Freiheitsbegriffe – den äußeren, politisch-rechtlichen Freiheitsbegriff und den inneren Freiheitsbegriff, wie er nach Platon auch immer wichtiger wurde. Für mich stellt sich die Frage. braucht dann unsere innere Freiheit überhaupt eine Verbindung zur äußeren Freiheit?
Von Diogenes heißt es, dass er die Freiheit allem anderen vorzog und sich in seiner Freiheit gerade nicht von den politischen Verhältnissen, sondern von Gott her verstand.
Könnte das die Lösung für die aktuelle Lage sein – dass wir die Freiheit in uns finden müssen?
Was sagt denn die stoische Philosophie, die von der Orientierung äußerer oder politischer Freiheit abrückt und unter dem Begriff „Freiheit“ nach einer Art vernünftigen Selbstbesitz fragt, der auch unter unfreiesten äußeren Bedingungen noch ein sinnvolles Leben zu führen gestattet.
Der Stoiker ist also immer frei! Diese innere Freiheit ist dann auch die Voraussetzung dafür, sich in gleicher Distanz zu allen wirklichen Verhältnissen zu halten, sich also „kosmopolitisch“ zu verstehen.
Mein Bauchgefühl zweifelt dabei … so ein großer Begriff… nur für etwas innerliche Freiheit?
Aber was passiert in diesem Land gerade jetzt mit uns? Können wir unseren Staat als liberal bezeichnen … wenn er doch Zwänge auf so viele Individuen ausübt, die nicht mehr frei ihre Meinung äußern dürfen?
Zumindest im Außenverhältnis mit anderen Menschen bin ich nicht frei, denn wir unterliegen den Regeln und Konventionen, denen wir folgen müssen, um in der Gesellschaft bestehen zu können. Damit ist es für mich unklar, ob der Wille wirklich frei sein kann, ohne Einschränkung und Störung von außen.
Wer Freiheit als philosophischen Kernbegriff versteht, sollte mit der Bedingt- und Beschränktheit des Menschen umgehen können….. ist dann der Begriff „Freiheit“ nur eine leere Hülse?
Bedeutet Freiheit dann nur die Abwesenheit von Zwängen oder gibt sie auch Gestaltungsspielraum? Es sind viele Formen der Beschränkung sichtbar….. Wir unterliegen nicht nur den Naturgesetzen,… es gibt soziale Regeln und Konventionen, denen wir folgen müssen. Es ist somit für mich also auch völlig unklar, ob der Wille wirklich frei ist?
Als Mensch muss ich doch einfordern dürfen, dass Freiheit, ohne anderen Menschen zu schaden, in einem freien Land möglich sein muss, sowohl Meinungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit, Willensfreiheit, Freiheit über den eigenen Körper zu bestimmen, innere Freiheit sowieso, aber auch Freiheit auf Grundlage moralischen Handelns. Also genau diese Art Freiheit, die offen lässt, spielerisch sein lässt, glücklich und authentisch werden lässt … natürlich nur dann möglich… mit achtsamen, emotional intelligenten Menschen, die die Balance finden zwischen dieser innerlichen, äußerlichen Freiheit und der Grenze zur Freiheit der anderen Menschen. Wir haben das doch gelernt in diesem Land oder? So wurden wir erzogen und sind so aufgewachsen … im vollkommenen Vertrauen, dass der andere meine Freiheit und Unversehrtheit respektiert und achtet.
Wo sind wir jetzt?

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