Antwort: „Dann legt der goldene Wind sein ganzes Wesen bloß.“
Ein schönes Koan, das Raum und Kreativität eröffnet für Gedankenspiele.
Es könnte bedeuten, dass der Wind ein Teil der Schöpfung ist und durch seine Bewegung und die gefühlt goldene Farbe das Wesen der Schöpfung zeigt.
Aber man könnte es auch wissenschaftlich angehen und fragen: Warum werden die Blätter überhaupt golden und verfärben sich? Die Blätter werden bunt, weil die Pflanzen bei weniger Sonnenlicht kaum Fotosynthese betreiben. Der Farbstoff, der für die grünen Blätter im Sommer sorgt, wird Chlorophyll genannt. Im Sommer überdeckt der grüne Farbstoff die anderen Farbpigmente im Blatt. Die Bäume brauchen Chlorophyll, um Fotosynthese betreiben zu können. Im Herbst verlagern Bäume das Chlorophyll von den Blättern in die Äste und Stämme, um es sich für den Frühling aufzusparen. Das ist der Grund, warum die Blätter im Herbst nicht mehr grün sind und sich bunt färben.
In der für manche Menschen schönsten Jahreszeit, dem Herbst wird auch die Trostlosigkeit und Endlichkeit des Lebens deutlich, wie ein kleiner langsamer Abschied der Natur.
Dazu fällt mir Rainer Maria Rilke`s Gedicht ein:
∼ Herbstgedicht ∼
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
Als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
Sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
Aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
Unendlich sanft in seinen Händen hält.
Und dann die letzten Zeilen aus Goethe`s Gedicht „Selige Sehnsucht“:
…. Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Es bringt uns wieder unserer Endlichkeit näher, Zeit innezuhalten und Resumee zu ziehen, bevor die Natur einfach nur zwischen schwarz-weiß und grau unsere Augen beruhigt…. und wir dem stetigen Sterben ganz nahe kommen.

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